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Orientteppiche

Die Kunst des Färbens

Die Färbekunst entwickelte sich mit der Knüpfkunst, sie geht auf jahrtausendalte, überlieferte Methoden zurück. Wolle und Seide für die Teppichherstellung werden vorzugsweise mit natürlichen Farbstoffen gefärbt. Die erreichbaren Färbungen sind nicht grell und schreiend, sondern fügen sich zu zarten und harmonischen Kombinationen. Ein häufiges Farbmittel für Rot und Rotbraun wird aus der der Wurzel der Färberkrapppflanze gewonnen. Purpurrot – „die Farbe der Könige“ - stammt aus dem Panzer der Schildlaus. Für Blau wird die Wurzel der Indigopflanze, für Gelb Gelbwurz, Curcuma, Kamille oder der Farbstoff der Granatapfelschalen. Grüne Töne lassen durch Überfärben von Indigo mit einem gelben Farbstoff erzeugen. Mit Indigo und Krapp färbt man violette und braunviolette Töne. Safran liefert einen gelborangen Farbton. Cochenille der Farblaus und Blauholz (Campecheholz) aus Amerika erreichten im 16. Jahrhundert den Orient. Kleine Garnstränge für den Flor werden per Hand gefärbt. Jedes gefärbte Los der Wolle wird per Hand in den Teppich geknüpft. Beim nächsten Los der gefärbten Wolle ist eine Farbabweichung unvermeidlich – diese wird Abrasch genannt. Die Farbveränderung zeigt sich in horizontaler Richtung, also in Arbeitsrichtung.

Anilinfarben aus Steinkohlenteer wurden in Europa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hergestellt und gelangten bald in den Orient. Wegen des geringen Preises und der leuchtenderen Farben verbreiteten sie sich. Dadurch lassen sich Teppiche zwischen 1860 und 1870 leicht datieren. Derartige Farbstoffe sind Mauvein, Anilinblau, Fuchsin, Kongorot, Kristallviolett, Malachitgrün und Methylorange. Allerdings verblassten diese ersten synthetischen Farbstoffe schnell und die Schurwolle verfilzte leicht beim Färbevorgang, so dass die Nachfrage nach diesen Produkten wieder sank. In Persien wurden sie auf Befehl des Schahs 1900 verboten.[4] Dennoch sind moderne Farbstoffe bei den verbesserten Echtheiten und Farbstärken und dem durchgängig geringeren Preis zum Faserfärbung im Einsatz.